Klaus-Ewald Host

interviewed im Juli 2008

Steckbrief

Prof. e. h. Dr.-Ing. Klaus-Ewald Host
Vorstandsvorsitzender der VNG - Verbundnetz Gas Aktiengesellschaft
Studienrichtung: Verfahrenstechnik

Vita

  • 1943 geboren in Neustrelitz
  • 1977 Promotion in Freiberg
  • 1968 - 1989 Verschiedene Funktionen im VEB Verbundnetz Gas
  • 1999 - 2010 Vorstandsvorsitzender der VNG - Verbundnetz Gas AG
  • 1996 Auszeichnung mit dem Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
  • 1998 Verleihung des Königlich Norwegischen Verdienstordens, Verleihung des Verdienstordens des Freistaates Sachsen
  • 2004 Auszeichnung mit dem Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen
  • seit 1995 Ehrensenator der TU Bergakademie Freiberg
  • 2007 Ernennung zum Professor „ehrenhalber“ durch den Freistaat Sachsen

Interview

"Das hat etwas mit Nostalgie zu tun, ganz einfach", sagt Klaus-Ewald Holst. Das sei der Grund. Der Grund dafür, dass er auch Jahrzehnte nach Studium und Promotion immer wieder gerne zurückkommt. Dafür, dass er nicht nur zurückkommt, sondern auch immer etwas mitbringt: Unterstützung – ideell und finanziell – für seine Alma Mater Fribergensis.


Prof. Dr. Klaus-Ewald Holst – Vorstandsvorsitzender der Verbundnetz Gas AG Leipzig, Norwegischer Honorargeneralkonsul, Ehrensenator der TU Bergakademie Freiberg – ist auf dem Gipfel einer langen erfolgreichen Karriere angekommen. Begonnen hat sie vor 46 Jahren, als er in Freiberg das Studium der "Tiefbohrtechnik und Erdöl-/Erdgasgewinnung" aufnahm. "Ich bin ja eigentlich gar nicht so sehr Techniker", sagt der gebürtige Neustrelitzer. Ursprünglich habe er mal Jura im Sinn gehabt. "Aber da sagte mein Großvater den unheimlich schlauen Satz: ‚In einem Staat, in dem es kein Recht gibt, sollte man kein Recht studieren.’" Also habe er sich nach einem ideologisch weniger belasteten Fach umgeschaut. Da die DDR-Führung Anfang der sechziger Jahre selbst nach Erdöl suchen ließ, bot sich der Studiengang in Freiberg an."Es war damals eine Ausweichmöglichkeit, aber ich habe es nie bereut";, betont Holst.

Aus der Vernunftentscheidung ist schnell eine Herzenssache geworden. Noch heute gerät der 65-Jährige beim Stichwort ‚Studienzeit’ ins Schwärmen. "Das Studium in Freiberg war fantastisch: Die Uni hatte auch damals schon einen exzellenten Ruf. Alles war klein und überschaubar." Viele Professoren hätten sich auch außerhalb der Lehrveranstaltungen für ihre Studenten interessiert."Zum Beispiel Professor Arnold", erzählt Klaus-Ewald Holst. Der habe regelmäßig offiziell zu Gesprächsabenden mit einem sozialistischen Thema eingeladen. "Da stand dann ein Fass Bier auf dem Tisch, und wir haben über alles nur nicht über Sozialismus geredet."


Solche Erinnerungen hat der VNG-Chef zuhauf. Erinnerungen daran, wie sie durch die damals unzähligen Kneipen zogen, wie sie bei einem Tanzabend im Tivoli gegen die Kapelle ansangen. ";Die Freiberger hatten es nicht leicht mit uns. Aber trotzdem waren sie irgendwie stolz auf ‚ihre’ Studenten." Hier habe auch zu DDR-Zeiten ein freiheitlicher Geist geherrscht. ";Neben Freiberg hatte man – aus meiner verkürzten Sicht – nur noch in Jena oder Greifswald die Chance, sich zu einem richtigen Studenten zu entwickeln, mit allem was dazu gehört."


Das Studium selbst sei hart gewesen. "So haben die Professoren die Qualität hoch gehalten. Eine große Leistung", bescheinigt Holst heute, dem die Anforderungen damals allerdings nicht selten zu schaffen machten. Das hat ihn geprägt. "Man musste den Rhythmus zwischen Feiern und harter Arbeit rauskriegen. Wer das nicht konnte, war spätestens zum Vordiplom raus." Den Rhythmus beherrscht er heute noch. Anders sei ein 15-Stunden-Tag, wie er ihm regelmäßig abverlangt werde, auch nicht durchzuhalten. Und noch etwas hat er in seiner Freiberger Zeit gelernt: "Man muss beherrscht trinken und singen können", ist Klaus-Ewald Holst überzeugt. Bei der Pflege der Geschäftsbeziehungen könne das durchaus von Nutzen sein. Vier-, vielleicht fünfmal im Jahr kommt er jetzt noch nach Freiberg. Meist, um seines Amtes als Vorstandsvorsitzender des Vereins Freunde und Förderer der TU Bergakademie Freiberg zu walten. Was er heute für einen Eindruck von Freiberg und der TU habe? "Einen sehr guten", lautet die Antwort. "Auch nach ’90 hatte die Bergakademie einen Ruf, der fast unbeschadet weiterlebte." Allerdings, so habe er es zumindest für sein Fach bald festgestellt, sei man hier nach der Wende – was den Wissenstand betrifft – 20 Jahre zurückgewesen. "Es war eine große Leistung der Universität und auch des Freistaates Sachsen, die Bergakademie so zu erhalten und wieder nach vorne zu bringen."


Dazu trägt Holst gerne seinen Teil bei. "Reich werden und Gutes tun", das sei eine Art Lebensmotto. "Die Reichen haben eine große Verantwortung", ist er überzeugt und wünscht sich, dass sich auch in Deutschland eine Stiftungskultur, ähnlich wie in den USA, entwickelt. Den Dank der Universität für sein Engagement nimmt Klaus-Ewald Holst gerne an: 1995 die Ehrensenatorwürde und 2007 die Ernennung zum Professor ehrenhalber. "Ich bin kein professoraler Typ", sagt er. Bei einer anderen Hochschule als Freiberg hätte er den Titel abgelehnt. "Das Studium war einfach eine tolle Zeit", erzählt Holst. "Wenn nicht sogar die schönste Zeit." Wenn heut noch mal vor der Entscheidung stünde, würde er genau das gleiche wieder studieren. Zumal er als Praktiker weiß: Erdöl und Erdgas sind große Themen. "Die Weltwirtschaft giert nach Fachleuten." Junge Leute, die ein bisschen Abenteuergeist besitzen, seien hier genau richtig.