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Alexander von Humboldt an der Bergakademie Freiberg
Das Kurfürstentum Sachsen in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts: Der Bergbau bildet die Grundlage für die damals beginnende Industrialisierung. Im Revier um die Bergstadt Freiberg werden in rund 260 Gruben vor allem silberhaltige Erze abgebaut. Doch dem kriegsversehrten Land mangelt es an gut ausgebildeten Bergleuten. Reformen im Bildungswesen sollen Abhilfe schaffen. 1765 wird in Freiberg eine höhere montanwissenschaftliche Lehr- und Forschungseinrichtung gegründet.
Diese Bergakademie ist modern und richtungsweisend. Rasch entwickelt sie sich zu einer der bedeutendsten Bildungsreinrichtungen ihrer Art. Dies verdankt sie ausgezeichneten Lehrern und Forschern wie Abraham Gottlob Werner, Johann Friedrich Henckel und Christlieb Ehregott Gellert und einer erstmals praktizierten Verbindung von Theorie und Praxis. Studenten aus aller Welt kommen in die sächsische Silberstadt.
Auch den jungen Alexander von Humboldt aus Berlin zieht es ins Sächsische. Er sucht nach einer Möglichkeit, Pflicht und Neigung zu verbinden. Pflicht, das ist für ihn das Studium der Kameralistik, der Wirtschafts- und Verwaltungslehre des absolutistischen Staates, der er sich in Vorbereitung auf seine berufliche Tätigkeit unterzieht. Humboldts leidenschaftliches Interesse jedoch gilt den reinen Naturwissenschaften.
In der jungen, modernen Bergakademie Freiberg sieht Humboldt für sich die ideale Ausbildungsstätte und in Abraham Gottlob Werner den perfekten Lehrer. In einem Brief wendet er sich im Dezember 1790 an den berühmten Gelehrten:
»Die heiße Begierde, nach Freiberg zu gehen, und Ihr Schüler zu werden, lag schon lange in mir [...] Ich sehe leider! nur zu gut ein, wie wenig 6 Monathe hinreichend sind, um alle die Ideen einzusammeln, die einem Bergmann nothwendig sind. Aber ich will doch lieber mich mit wenigem begnügen, als das Glück ganz einzubüßen des vortrefflichen Unterrichts von Eure Wohlgeboren zu genießen.« 1
Am 14. Juni 1791 schreibt sich Alexander von Humboldt unter der Matrikelnummer 357 an der Bergakademie ein. Obgleich er bereits in nahezu allen Naturwissenschaften Studien betrieben hat, hegt er für die Geognosie – die Lehre von der Struktur und dem Bau der festen Erdkruste, aus der sich die heutige Geologie entwickelte – ein besonderes Interesse. Er absolviert innerhalb von nur acht Monaten ein Studium, für das normalerweise drei Jahre vorgesehen sind und eignete sich fundiertes Fachwissen im Bereich Bergbau und Minenwesen an.
Vier Monate nach Studienbeginn schreibt er an einen Freund:
»Meine Beschäftigungen sind überaus abwechselnd und dem innersten Wunsche meines Herzens angemessen. Ich stehe alle Tage um 5 Uhr auf und gehe [...] sogleich auf die Grube um anzufahren. [...] 5 Stunden beschäftige ich mich unter der Erde, bald um die natürliche Beschaffenheit der Gänge, bald die Art des Abbaus zu studieren. Ich habe die gemeinen Arbeiten auf dem Gestein alle selbst gelernt. Um 11 oder 12 Uhr komme ich aus der Grube und nun sind fast alle Stunden des Nachmittags mit Kollegien besetzt.« 2
Nebenbei befasst sich Humboldt mit aktuellen chemischen Problemen der Verbrennung und mit der Pflanzenwelt untertage. Daraus entsteht seine viel beachtete Publikation »Florae Fribergensis Specimen«.
Die Zeit an der Bergakademie ist für Humboldts weiteres Leben und Wirken von großer Bedeutung. Auf seiner berühmten Forschungsreise durch Südamerika kann er später der Regierung von Mexiko die besten Ratschläge für die Errichtung ihrer Bergbau-Akademie und überhaupt ihres Minenwesens geben.
Durch die Verbindung von wissenschaftlicher Theorie und praktischer bergmännischer Arbeit besitzt er für seine anschließende Tätigkeit als »Preußischer Bergassessor« die besten Voraussetzungen. Die in Freiberg erworbenen Kenntnisse sind ihm die fruchtbarste Anregung für seine nachfolgenden geografischen Forschungen und nicht zuletzt für sein Hauptwerk »Der Kosmos – Entwurf einer physischen Weltbeschreibung«.
Text: Claudia Walther und Torsten Mayer
Quellenangaben und Literatur
1 Faximile des Briefes Alexander von Humboldts an Abraham Gottlob Werner vom 13.12.1790 (PDF-Dokument); das Dokument ist Teil des Nachlasses Abraham Gottlob Werners (XIX, 80, Bd. 2) im Wissenschaftlichen Altbestand der Freiberger Universitätsbibliothek
2 Reproduktionen des A.-v.-Humboldt-Briefes vom 25.8.1791 an Dietrich Ludwig Gustav Karsten: Staatsbibliothek zu Berlin.
(Der Brief trägt die Signatur Nachl. A. v. Humboldt, kl. Kasten 1b, Nr. 26, Bl. 23-28.)
Die Jugendbriefe Alexander von Humboldts. Band 2: 1787 - 1799. Hrsg. v. Ilse Jahn. Berlin: 1973
Adolf Meyer-Abich: Alexander von Humboldt. Hamburg: 1967
Wissenschaft vor Ort. Bilder zu Geschichte und Gegenwart. Freiberg: 2005
Eduard Heuchler: Die Bergknappen. (Neuauflage) Essen: 1953

