Historie

Prof. O. Stutzer (1913-1936)Prof. K.A. Jurasky (1928-1945)Prof. K. Krjci-Graf (1938-1939)Prof. R. Hunger (1950-1957)Prof. G. RoseltProf. R. Meinhold (1960-1976)Prof. R. Vulpius (1981-2002)

Die Brennstoffgeologie und ihre Bedeutung als Wissenschaft und Lehrfach an der Bergakademie Freiberg reichen weit in die Vergangenheit zurück [1].

Am 01.10.1927 wurde – auf Initiative von Prof. Otto Stutzer – das Institut für Brennstoffgeologie als einheitliche Institution für Kohlen- und Erdölgeologie gegründet [2]. Dieses befand sich zu diesem Zeitpunkt im heutigen Schloss Freudenstein. Beginnend Institut für Brennstoffgeologie im Schloss Freudenstein (1927-1958)mit seiner Berufung 1913 zum außerordentlichen Professor für Brennstoffgeologie leistete Stutzer bis 1927 einen wesentlichen Beitrag für die erdölgeologische Profilierung des künftigen Lehrstuhles für Brennstoffgeologie. Standen in den ersten Jahren der wissenschaftlichen Tätigkeit Stutzers die kohlengeologischen Aspekte im Vordergrund, so widmete er sich mit Beginn der zwanziger Jahre besonders der Erdölgeologie [3]. Er unternahm in den Jahren 1921-1923 und 1924-1926 Reisen nach Kolumbien und war dort im Regierungsauftrag tätig. Stutzer brachte profunde Erkenntnisse über Vorkommen, Entstehungsbedingungen und Migration des Erdöls zurück nach Freiberg. Viele Zeitschriftenpublikationen, seine Lehrbücher und seine Anleitungen für Kartierung und Prospektion in tropischen Ländern zeugen davon [4].

1928 holt Stutzer den Paläbotaniker Dr. Karl-Alfons Jurasky ans Institut, der sich fortan vor allem dem Einsatz paläobotanischer Methoden zur Klärung flözgenetischer Fragen widmet. Jurasky übernimmt 1934 eine Privatdozentur für Kohlenpetrographie und Paläobotanik. Es sind vor allem seine Arbeiten zur Kutikularanalyse, die diese Methode paläobotanischer und kohlengeologischer Forschung im internationalen Rahmen allgemein bekannt macht [5]. Gleichzeitig mit der Profilierung des Wissenschaftsgebietes der Kohlengeologie verfolgt Stutzer zielstrebig den Aufbau lagerstättenkundlicher Sammlungen. Im heutigen Schloss Freudenstein gelegen, wurde in verhältnismäßig kurzer Mt. Stutzer am Nordenskiold River in Yukon, KanadaZeit eine Brennstoffgeologische Sammlung aufgebaut, die noch heute im Rahmen der geowissenschaftlichen Universitätssammlungen existiert. Ferner entsteht neben der Lagerstättensammlung bereits eine spezielle Übungssammlung, welche die Methodik und Systematik der petrographischen Charakterisierung von festen fossilen Brennstoffen vermittelt. Letztere wird noch immer zu Lehrzwecken genutzt und ist im Otto-Meißer-Bau ansässig. Zu Ehren der Verdienste Stutzers um die geologische Erschließung Kanadas wurde der höchste Berg am Nordenskjöld River im ehemaligen Kanadisch-Alaska (Yukon-Territory) nach ihm benannt (Mt. Stutzer).

Nach dem Tod Prof. Dr. rer. nat. habil. Otto Stutzers im Jahre 1936 übernimmt zunächst Dr. Jurasky die Vertretung in Lehre und Leitung des Institutes. Mit dem 01.02.1938 wird Prof. Karl Krejci-Graf an den Lehrstuhl und als Direktor des Instituts für Brennstoffgeologie berufen. Seine Forschungsaufgaben und lagerstättenkundlichen Untersuchungen (bis 1939) orientieren sich in hohem Maße auf die Kohlenwasserstoff-Lagerstätten des östlichen Europas und Zentral-Asiens. Von 1939 bis Kriegsende übernimmt Jurasky die Leitung und Lehrverpflichtungen des Institutes. 1941 wird er zum außerordentlichen Professor berufen. Während der Kriegsjahre findet kaum eine kontinuierliche Lehr- und Forschungsarbeit statt. Seit den letzten Kriegstagen in Freiberg gilt Jurasky als verschollen.

Am 08. Februar 1946 wird die Bergakademie neu eröffnet. Als Direktor des Institutes für Brennstoffgeologie wird Prof. Dr. Erich Lange eingesetzt. Im Vorlesungsplan des Sommersemesters ist wieder eine vierstündige Vorlesung „Allgemeine Kohlengeologie“ ausgewiesen. Prof. Dr. Lange übernimmt zum Jahreswechsel 1946 / 47 die Präsidentschaft der Deutschen Geologischen Landesanstalt der damaligen sowjetischen Besatzungszone. Die Leitung des Institutes für Brennstoffgeologie wurde in den Folgejahren kommissarisch von den Ordinarien des Geologischen und Mineralogischen Institutes der Bergakademie wahrgenommen.

Am 01.04.1950 kommt Dr. Richard Hunger als Lehrbeauftragter für „Geologie und Petrographie der fossilen Brennstoffe“ ans Institut. 1951 wird Hunger Oberassistent und drei Jahre später zum Professor des Lehrstuhls für Brennstoffgeologie und zusätzlich zum Institutsdirektor ernannt. Neben der Leitung des Institutes für Brennstoffgeologie übernimmt Hunger 1956 auch die Leitung der Abteilung Brennstoffgeologie am damals gegründeten Deutschen Brennstoffinstitut Freiberg.

Nach dem unerwarteten Tod Prof. Hungers am 01.05.1957 wird die Leitung des Institutes kommissarisch dem Leiter des Geologischen Institutes Prof. Dr. A. Watznauer übertragen. Ab 1960 bildeten sich am Institut für Brennstoffgeologie die beiden Abteilungen Kohlengeologie und Erdölgeologie heraus. Die Leitung der Abteilung der Kohlengeologie wird am 01.07.1960 von Dr. rer. nat. habil. Gerhard Roselt übernommen, der als Dozent für das Fachgebiet Paläobotanik und Kohlengeologie an die Bergakademie berufen wird. Im April 1963 wird Roselt mit der Leitung des Institutes für Brennstoffgeologie beauftragt. 1964 geht aus der ehemaligen Abteilung Erdölgeologie das Institut für Erdölgeologie als eigenständige Struktureinheit hervor. Roselt wirkte u. a. im Rahmen der Internationalen Kommission für Kohlenpetrologie an der Bearbeitung mehrere Themenblätter des Internationalen Lexikons für Kohlenpetrologie (ILKP) mit. 1965 eröffnete Roselt anlässlich der Zweihundertjahrfeier der Bergakademie Freiberg die Brennstoffgeologische Schausammlung. Anhand von etwa 300 ausgewählten Belegstücken und Großobjekten werden in diesem Teil der umfangreichen Sammlungen des Institutes Kohlengenese, Makro- und Mikropetrographie von Braun- und Steinkohlen sowie Kohlentypen aus verschiedenen in- und ausländischen Lagerstätten erstmals in dieser Weise dargestellt.

Mit der am 01.07.1968 begonnenen Neuprofilierung der Sektion Geowissenschaften werden die aus dem ehemaligen Institut für Brennstoffgeologie hervorgegangenen Abteilungen Erdölgeologie und Kohlengeologie zunächst in einem „Lehrstuhl für Geologie von Erdöl, Erdgas und Kohlen“ zusammengefasst. Die Leitung dieses Lehrstuhls wird Doz. Dr. rer. nat. habil. R. Meinhold übertragen. Die von Roselt seit 1963 wahrgenommene Professur wird am 01.09.1969 in eine ordentliche Professur für Kohlengeologie und Paläobotanik überführt. Am 01.01.1970 wird der „Lehrstuhl für Erdöl, Erdgas und Kohlen“ in eine „Arbeitsgruppe Erdöl, Erdgas und Kohlen“ überführt. Ihre Leitung wird von Dr. Preuss übernommen. Mit Wirkung vom 01.09.1973 wird die bisherige Arbeitsgruppe in den Wissenschaftsbereich „Geologie von Erdöl, Erdgas und Kohlen“ umgebildet. Zu seinem Leiter wird der Erdölgeologe Doz. Dr. H. Pätz berufen, der mit kurzzeitiger Unterbrechung (1975-76, Vertretung durch Prof. Dr. Sitz der Arbeitsgruppe Brennstoffgeologie im Otto-Meißer-Baurer. nat. habil. R. Meinhold) diese Funktion bis zum 31.08.1984 wahrnimmt.

Nach der feierlichen Emeritierung von Prof. Dr. rer. nat. habil. G. Roselt am 18.09.1981, wird im selben Monat Prof. Rainer Vulpius auf den Lehrstuhl für „Geologie der Kohlenlagerstätten“ berufen. Am 01.09.1984 übernimmt Vulpius die Leitung des Wissenschaftsbereiches Geologie von Erdöl, Erdgas und Kohlen.

Diplom-Geologe N. Volkmann legt 1985 in seiner Dissertation die Ergebnisse von lumineszenzmikroskopischen und genetischen Untersuchungen an Phytobitumina von Weichbraunkohlen vor und habilitierte 1998. Seit 2002 leitet er die Professur am Lehrbereich für Brennstoffgeologie an der TU Bergakademie Freiberg.


  1. Roselt, G.; Gindorf, L.; Pätz, H.; Rascher, J.; Seifert, A. (1980): Die Entwicklung und Bedeutung der Brennstoffgeologie an der Bergakademie Freiberg. Z. geol. Wiss. 10, S. 1309-1320.
  2. Wagenbreth, O. (1994): Die Brennstoffgeologie. In: Die Technische Universität Bergakademie Freiberg und ihre Geschichte. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie. Leipzig. S. 84-85.
  3. Vulpius, R.; Volkmann, N. (1989): 60 Jahre Kohlengeologie an der Bergakademie Freiberg. In: Beiträge zur Geologie der Braunkohlen-Lagerstätten. Wissenschaftlich-Technischer Informationsdienst. Hrsg. Vom Zentralen Geologischen Institut Berlin. Jahrgang 30, Reihe A, Heft 1, S. 55-66.
  4. Pätz, H.; Meinhold, R. (): 60 Jahre Erdölgeologie an der Bergakademie Freiberg.
  5. Roselt, G. (1965): Institut für Brennstoffgeologie. In: Bergakademie Freiberg, Festschrift zur Zweihundertjahrfeier, Band 2. Leipzig. VEB Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie.