Institutsgeschichte

Geschichte

Wenn man die Geschichte unserer Hochschule zurückverfolgt, so ist festzustellen, dass diese schon seit frühesten Anfängen einen gewissen Anteil an der Entwicklung der Glas- und keramischen Industrie, besonders im sächsischen Raum, hat.

Schon vor dem Gründungsjahr der Bergakademie gab es enge Beziehungen zwischen den mit der Lehre betrauten Freiberger Bergbeamten und der im Jahre 1710 gegründeten Meißner Porzellanmanufaktur.

Aus dieser Zeit soll der Bergrat Pabst von Ohain erwähnt werden, der zu den Aufsichtspersonen über Johann Friedrich Böttgers Tätigkeit gehörte. Er selbst bezeichnete sich als Arkanist, d.h. ihm war die geheim gehaltene Technologie der Porzellanherstellung bekannt. Sein Verdienst ist es vor allem dass er mit dem in Freiberg ausgebildeten Bergknappen Samuel Stöltzel (1685 -1737) einen fähigen Kopf in die Manufaktur eingeführt hatte. Am Ausbau der Manufaktur hatte auch der seinerzeit berühmte Bergrat Johann Friedrich Henkel (1697-1744), der vor Gründung der Bergakademie in Freiberg Chemie und Hüttenkunde lehrte, einen großen Anteil. Wie aus der Vorlesungsnachschrift eines seiner Studenten hervorgeht, erwähnte er in seiner Vorlesung über die "Bergwerks-Wissenschaften" neben anderen berg- und hüttenmännischen Industriezweigen auch die Herstellung von "Steinen, Erden, Porzellan und so weiter".

M. A. Lomonossow und D. I. Winogradow, die bei Henkel studierten, haben in Russland auf dem Gebiet des Silikathüttenwesens Hervorragendes geleistet. Lomonossow, der 1752 das naturphilosophische Poem "Ein Brief über die Nützlichkeit des Glases" verfasste, gründete 1753 ein Farbglaswerk bei St. Petersburg, das er nach eigenen Plänen einrichtete. Winogradow gilt als Schöpfer des russischen Porzellans. Er wirkte als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Kaiserlichen Russischen Porzellanmanufaktur, die 1744 in St. Petersburg gegründet worden war.

Christlieb Ehregott Gellert (1713 - 1795), der berühmte Metallurge und erste Professor für metallurgische Chemie an der Bergakademie, untersuchte neben zahlreichen Arbeiten auf dem Gebiet der Metallurgie auch das "Verhalten der Gebirgsarten im Schmelzfeuer".

Gellerts Nachfolger, der 1795 berufene August Wilhelm Lampadius (1772 - 1842), erkannte sogleich die große Bedeutung derartiger Baustoffe für die Metallurgie. In seiner öffentlichen Vorlesung "Technische Chemie" behandelte er neben anderen Gebieten auch in großen Zügen die Keramik und die Glastechnik.

Nach Lampadius hatte es an der Bergakademie keine Vorlesungen mehr gegeben, die den Studenten einen umfassenden Überblick bzw. eine allgemeine Einführung in unser Fachgebiet darbieten konnten.

In Professor Carl Friedrich Plattners (1800 - 1858) erstem Band der "Allgemeinen Hüttenkunde" aus dem Jahr 1860 findet man auf anderthalb Seiten eine Aufzählung der damals gebräuchlichen Ofenbaumaterialien.

Im "Handbuch der Eisenhüttenkunde" (1906) von Professor Carl Adolf Ledebur (1837 - 1906) finden wir schon eine ausführlichere Beschreibung einzelner feuerfester Baustoffe.

Unter Professor Clemens Winkler (1838 - 1904) wurde in Freiberg die Chemische Technologie zum Prüfungsfach erhoben. In seiner Vorlesung war u.a. die Herstellung von "Glas und Thonwaren" enthalten.

Mit dem im Jahre 1903 zum Professor für Metallhüttenkunde berufenen Carl Schiffner fand die Silikathüttenkunde einen ersten Fürsprecher an der Bergakademie. Sein Plan war bereits im Jahr 1910 die Errichtung eines Lehrstuhles mit Forschungslaboratorium für die Ausbildung von Ingenieuren der Keramik und des Zementes. Die sächsische Landesregierung war jedoch nicht in der Lage, für die Einrichtung einer keramischen Lehr- und Ausbildungsstätte an der Bergakademie Mittel zur Verfügung zu stellen.

Trotzdem wurden in den dreißiger Jahren wenigstens einige Zweige der Silikathüttenkunde durch das Heranziehen von Dozenten berücksichtigt.
Nachdem 1931 die seit Jahrzehnten zwischen der TH Dresden und der Bergakademie schwebende Frage der Zuständigkeit für die Keramik zugunsten der Bergakademie entschieden worden war, wurde die 1932 die außerordentliche Professur vom sächsischen Finanzministerium aus Ersparnisgründen wieder gestrichen, ehe sie überhaupt besetzt werden konnte. Seit dieser Zeit bis 1945 gab es so gut wie keine Ansätze, die Keramik an der Bergakademie aufzunehmen.

1946 wurden unter dem Rektorat von Professor Diepschlag von der Fakultät für Bergbau und Hüttenwesen Lehrpläne für das Silikathüttenwesen ausgearbeitet und Verhandlungen zwecks Aufbau dieser Fachrichtung eingeleitet, die 1950 zur Errichtung des Lehrstuhls für Keramik führten. Ende März 1950 wurde Theodor Haase auf den Lehrstuhl für Keramik berufen und mit der Gründung des Instituts für Keramik beauftragt.

Das Institut für Keramik wurde zunächst provisorisch im Braunkohlenforschungsinstitut untergebracht. Mit den Vorlesungen "Feuerfeste Baustoffe" und "Keramische Technologie" konnte im Wintersemester 1950/51 begonnen werden. Noch im Jahre 1951 wurde ein eigenes Haus - die frei gewordene Haushaltsschule Agricolastraße 17 - bezogen, das in den ersten Jahren den Anforderungen genügte. Es musste jedoch in den Jahren 1958 - 1960 durch Anbauten erweitert werden.

Wegen des wesentlich erweiterten Aufgabenbereiches erhielten das Institut und die Fachrichtung 1954 mit Genehmigung des Staatssekretariats für das Hoch- und Fachschulwesen den Namen "Silikathüttenkunde".

Prof. Dr.-Ing. Paul Beyersdorfer hielt ab 1954 die Vorlesung "Glashüttenkunde" mit den dazugehörigen Übungen ab. Von 1954 bis 1962 arbeitete am Institut als Oberassistent Dr. rer. nat. Armin Petzold. Seine Vorlesungen über "Emailchemie und -technologie" und "Technologie der Bindemittel" rundeten den Lehrstoff der Silikathüttenkunde ab.

Im Rahmen der 3. Hochschulreform erhielten die Fachrichtung und das Institut 1968 die Bezeichnung Wissenschaftsbereich Silikattechnik und gehörten der Sektion Verfahrenstechnik und Silikattechnik an.

1978 wurde der Wissenschaftsbereich "Anorganisch Nichtmetallische Werkstoffe" an die Sektion VST überführt und mit dem Wissenschaftsbereich Silikattechnik zu einem Bereich vereinigt.

Prof. Michalowsky wurde 1982 auf den seit 1976 unbesetzten Lehrstuhl ANW berufen. 1988 erfolgte die Herauslösung der Anorganisch Nichtmetallischen Werkstoffe aus der Sektion VST.

Von 1979 - 2001 war Prof. Dr.-Ing. Wolfgang Schulle Professor für Keramik am Institut für Silikattechnik. Nach Prof. Dr. Günther Nölle, der ab 1970 die Vorlesung über Glashüttenkunde hielt, wurde Prof. Dr. Heiko Hessenkemper 1995 zum Professor für Glas- und Emailtechnik berufen.

1992 erfolgte die Einrichtung der Professur für Bindemittel und Baustoffe durch das Sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst und die Berufung von Prof. Dr.-Ing. habil. Ernst Schlegel zum Professor neuen Rechts.

Seit 1990 ist das Institut im Sinne seiner Gründung wieder ein Institut für Silikattechnik.

Im Jahre 2000 beging das Institut sein 50-jähriges Jubiläum.

Im Dezember 2001 wurde Prof. Dr. Christos G. Aneziris als Nachfolger von Prof. Dr. Wolfgang Schulle zum Professor für Keramik berufen.

Im Oktober 2002 wurde Prof. Dr. Thomas A. Bier als Nachfolger von Prof. Dr. Ernst Schlegel zum Professor für Baustofftechnik berufen. Gegen Ende des Jahres erfolgte außerdem die Umbenennung des Institutes in Institut für Keramik, Glas- und Baustofftechnik.