Geschichte des Instituts

Unser Institut ist ein sehr traditionsreiches. Die „Markscheidekunst“ wurde an der Königlich Sächsischen Bergakademie bereits seit ihrer Gründung im Jahre 1765 gelehrt. Die Entwicklung von der „Markscheidekunst“ zum modernen Konzept „Markscheidewesen und Geodäsie“ ist mit vielen klangvollen Namen verbunden, wie die folgenden Beispiele zeigen:


Friedrich Wilhelm von Oppel (1720-1769) war sächsischer Oberberghauptmann und einer der Gründer der BergakademieFriedrich Wilhelm von Oppel, Sächsischer Oberberghauptmann und Gründer der Bergakademie Freiberg 1765/66, veröffentlichte 1749 ein Buch mit dem Titel „Anleitung zur Markscheidekunst nach ihren Anfangsgründen und Ausübungen kürzlich entworfen.“ Das Werk kann als eines der ersten akademischen Fachbücher im deutschsprachigen Raum gelten. Als Zeitzeugen dieser Zeit sind einige Vermessungsinstrumente, die in der akademischen markscheiderischen Lehre einst verwendet wurden, in der Sammlung des Institutes auf der Reichen Zeche vorhanden.


F. W. v. Charpentier war von  1766-95 Professor für Reine und angewandte Mathematik, Zeichnen, Physik, Markscheidekunst, Mechanik, Bergmaschinenlehre. 1780-1801 erteilte der kurfürstliche Markscheider J. F. Freiesleben als Lehrbeauftragter Unterricht in "praktischer Markscheidekunst". Der Professor und Oberbergrat J. L. Weisbach wirkte von 1835 bis 1871 an der Bergakademie. Er lehrte und forschte neben der Mathematik, der Maschinenlehre und der Physik auch auf dem Gebiet, Markscheidekunst. Hier wirkte er durch den Einsatz geodätischer Instrumente im Untertagebergbau bahnbrechend. Weisbach führte umfangreiche Grundlagenmessungen für die Auffahrung des Rothschönberger Stollns durch. Sieben Jahre arbeitete er im Rahmen der europäischen Gradmessung an verantwortlicher Stelle neben Professor Nagel (TU Dresden) und Professor Bruns (Universität Leipzig). In dieser Zeit veranlasste Weisbach die Einführung eines einheitlichen Koordinatensystems und eines gemeinschaftlichen Horizontes für die Rissführung. Das nach ihm benannte Weisbach’sche Dreieck ist eine heute noch gebräuchliche Messanordnung.


Folgerichtig wurde 1871 der erste Lehrstuhl für „Markscheidekunde und Geodäsie“ gegründet. 1918 wurde P. E. Wandhoff Professor für Markscheidekunde und Geodäsie. Er beschäftigte sich insbesondere mit der Ausgestaltung der Richtungsübertragung durch feinmagnetische Messungen und durch Lotungen in seigeren Schächten. Wandhoff setzte sich für die Einführung der Bergschadenkunde als Teildisziplin der Markscheidekunde ein. In den Jahren 1927-55 wirkte der Geodät K. Lüdemann am damaligen Institut für Markscheidewesen und Bergschadenkunde. Neben zahlreichen Arbeiten auf instrumentechnischem Gebiet hielt er Vorlesungen über Katastertechnik.


Mit der Hinzunahme der raumordnerisch-rechtlichen Aspekte zu Vermessung, Risswerk und Bergschadenlehre ist das heutige Arbeitsfeld des Markscheiders fast vollständig umrissen: In der Zeit zwischen 1949 und 1967 ist der Markscheider K. Neubert als Professor für Markscheidekunde und Direktor am Institut für Markscheidewesen und Bergschadenkunde tätig. Neubert nutzt seine langjährige markscheiderische Praxis neben der Entwicklung der Bergschadenlehre unter anderem zur wissenschaftlichen Bearbeitung von Problemen der Lagerstättendokumentation und -bearbeitung, dem heutigen Lagerstättenmanagement, der fünften Komponente des Markscheidewesens.


Prof. Sroka zur Eröffnung des Geokinematischen Tages 2009Die Lehr- und Forschungstätigkeit überstrich in der Zeit der DDR die gesamte Bandbreite markscheiderischer Aufgabenstellungen (markscheiderisch- geodätische Vermessungstechnik, Bergrecht, Bergschäden und bergschadenkundliche Analysen, Bergrechtsamtswesen, Risswesen, Normung, Vermessungs- und Instrumententechnik, geostatistische Lagerstättenmodellierung, rechnergestützte Datenanalyse- und Auswerteverfahren, markscheiderische Betriebs- und Sicherheitskontrolle). Die Forschungs- und Entwicklungsthemen wurden in der Regel von den Bergbaubetrieben vorgegeben. Im Fokus stand dabei stets der Aspekt der Automatisierung oder zumindest die Rationalisierung markscheiderischer Tätigkeiten. Allerdings liegt seit dem Beginn des 20. Jh. ein Forschungsschwerpunkt durchgängig auf dem Sektor der Bergschadenlehre. In der jüngeren Vergangenheit waren ihm auch die Nachwendeprofessoren J. Fenk (1992-99) und A. Sroka (1999-2013) in besonders erfolgreicher Weise verbunden.


Durch wiederholte Personalkürzungen konnte die gesamte Breite markscheiderischer Aufgabenstellungen nicht mehr durch Personal der Hochschule abgedeckt werden, insbesondere nicht, da universitäre Lehre auf aktuellen Forschungs- und Entwicklungstätigkeiten fußen muss. Langjährige Lehraufträge sind im Bereich der Ingenieurgeodäsie (an Professor Möser, TU Dresden) und auf dem Gebiet der Raumplanung und des Liegenschaftswesens vergeben. Angehörige des Institutes lehren auch für angehende Bergleute, Geotechniker, Industriearchäologen und Geowissenschaftler.


Prof. Menz erhielt 1992 den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis1992 erhielt mit Joachim Menz erstmals ein Wissenschaftler aus den so genannten neuen Bundesländern den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis. Professor Menz baute daraufhin eine Arbeitsgruppe mit dem Forschungsschwerpunkt Entwicklung neuartiger geostatistischer Vorhersageverfahren zur Lagerstättenmodellierung auf. Von Prof. Menz wurden auch die Arbeiten auf dem Gebiet der photogrammetrischen Kluft- und Haufwerksanalyse initiiert, die bis in die Gegenwart weitergeführt worden sind. Auch nach Emeritierung von Prof. Menz sind Lehre und Forschung auf dem Gebiet der geostatistischen Daten- und Informationsanalyse, Vorhersage und Simulation durch in- und externe Mitarbeiter fortgeführt worden.


In Anlehnung an die markscheiderisch-geodätische Tradition (J. L. Weisbach) wurde 1993 das „Institut für Markscheidewesen“ in ein “Institut für Markscheidewesen und Geodäsie“ umgebaut. Im gleichen Jahr konnten sich Studenten erstmals für den neu konzipierten Diplomstudiengang „Markscheidewesen und Geodäsie“ einschreiben. Der Studiengang wurde im Rahmen des Bologna-Prozesses 2007 modularisiert. Er konnte bislang als selbständiger „Diplomstudiengang für Markscheidewesen und Angewandte Geodäsie“ mit einer Regelstudienzeit von zehn Semestern aufrechterhalten werden. Allerdings besteht seit einigen Jahren eine Diskrepanz zwischen zu geringen Einschreibezahlen und hoher Nachfrage nach Absolventen und Absolventinnen des deutschlandweit einmaligen Studienganges. Die folgende Abbildung gibt einen Überblick über die Einsatzgebiete der Markscheiderabsolventen.



In welchen Bereichen arbeiten Markscheider? (Quelle: Deutscher Markscheiderverein e. V.)
 

Institutsgebäude - Karl-Neubert-BauIm Jahre 2005 konnte das Institut am Standort Reiche Zeche, Fuchsmühlenweg 9, erstmals ein eigenes Gebäude beziehen. Das Gebäude erhielt anlässlich des 7. „Geokinematischen Tages“ 2006 den Namen „Karl-Neubert-Bau“. Der „Geokinematische Tag“ ist eine jährliche Fachtagung des Institutes mit internationaler Beteiligung mit bis zu 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Unterweisung polnischer Studierender während eines Austauschpraktikums in Freiberg. (Foto: Walter Thieme)2016 wurde Dr.-Ing. Jörg Benndorf zum Professor des Institutes berufen.