Historie

Bild von Charpentier Bild von Julius Ludwig Weisbach Bild von Erwin Papperitz

Bereits mit der Gründung der Bergakademie Freiberg am 13. November 1765 wurde eine Professorenstelle mit der Bezeichnung "Mathematisches Collegium und Zeichenschule" eingerichtet, so dass mit Beginn des Lehrbetriebes in fünf Fächern zu Pfingsten 1766 auch der Unterricht im Fach Mathematik aufgenommen werden konnte. Der erste Lehrstuhlinhaber war Johann Friedrich Wilhelm von Charpentier. Der Inhalt der mathematischen Vorlesungen war über viele Jahrzehnte von der Anwendbarkeit der Mathematik für den Bergbau und das Hüttenwesen geprägt. Charpentier und seine Nachfolger (zu nennen wäre in diesem Zusammenhang insbesondere Julius Weisbach) lehrten auch die Mechanik, die Physik und die Markscheidekunde, da es noch keine auf bestimmte Lehrfächer spezialisierten Hochschulinstitute im heutigen Sinne gab. Mit der Berufung von Erwin Papperitz im Jahre 1892 auf den Lehrstuhl für Mathematik und Darstellende Geometrie erhielt der Lehrstuhl zugleich den Rang eines mathematischen Institutes. Papperitz kam aus der Leipziger Schule von Felix Klein. Er gehörte zu den namhaften Vertretern der Geometrie in Deutschland und war 1890 Gründungsmitglied der Deutschen Mathematiker-Vereinigung.

Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte
15. bis 20. September 1890
Bild von der Gesellschaft deutscher Naturforscher und Ärzte
Obere Reihe (v.l.n.r): Fr. Meyer • Hilbert • Schilling • Minkowski • Papperitz• Wiener • Müller • Wiltheiss • Rodenberg • Henneberg • Wellmann •Dyck • Klemm • Runge • Heffter • Ueltzen • Roth • Kasten
Untere Reihe (v.l.n.r): Weber • A. Mayer • Lampe • Cantor • Kiepert • Schubert • Gordan • Sturm • Klein • Ritter • Hoppe • Schröder • Burkhardt

Bild von Gerhard Grüß

Nach Einführung des Wahlrektorates im Jahre 1899 an der Bergakademie Freiberg wurde Papperitz der zweite Rektor. Insgesamt übte er dieses Amt in seiner 36jährigen Tätigkeit an der Hochschule dreimal aus. Durch seine geometrischen Interessen motiviert, betrieb er mit großem Engagement das Anlegen und den Ausbau einer mathematischen Modellsammlung, wobei er viele Modelle selbst konstruierte. Während seiner Vorlesungszeit wurden Vektorrechnung, Potentialtheorie, Algebra und Vektoranalysis Bestandteile der mathematischen Ausbildung. Mit Friedrich Adolf Willers, der 1928 Papperitz' Nachfolger wurde, berief man einen Mathematiker, der im Gegensatz zu seinem Vorgänger auch die Zusammenarbeit mit Vertretern der Montanwissenschaften an der Hochschule suchte. Er beschäftigte sich mit Ingenieurproblemen, wie zum Beispiel gedämpften Schwingungen, der Integration einer Gleitschicht in zäher Flüssigkeit, der graphischen Integration von Randwertproblemen, sowie Problemen der praktischen Analysis. Gerhard Grüß, der 1935 die Nachfolge von Willers antritt, setzte dessen wissenschaftliche Zusammenarbeit mit den Ingenieuren erfolgreich fort. Nach dem Tode des Professors für Technische Mechanik übernahm Grüß ab 1940 dessen Lehrveranstaltungen, und das mathematische Institut wurde in "Institut für Mathematik und Technische Mechanik" umbenannt. 1946/47 war Gerhard Grüß der zweite Rektor nach der Wiedereröffnung der Bergakademie nach dem zweiten Weltkrieg.

Nach dem plötzlichen Tod von Grüß im Jahre 1950 wurde Wilhelm Schmid als Nachfolger berufen. Sein Hauptinteresse galt der kinematischen Geometrie, der Darstellenden Geometrie und der Differentialgeometrie. Nach Abtrennung der Mechanik erhielt das Institut Anfang 1951 den Namen "Institut für Mathematik und Darstellende Geometrie". Später führte es eine Zeit lang die Bezeichnung "Institut für Mathematik und Geometrie", bis dann 1953 die Umbenennung in "Institut für Allgemeine Mathematik" erfolgte.

Bild von Fritz Rühs

Nach der Emeritierung von Schmid wurde 1958 Fritz Rühs als Direktor des Instituts für Allgemeine Mathematik berufen. Rühs, zunächst Algebraiker, wandte sich später fast ausschließlich der Analysis zu. Der Lehrstuhl für Allgemeine Mathematik wurde ab 1969 als Lehrstuhl für Analysis ausgewiesen. Als Direktor des damaligen Instituts für Allgemeine Mathematik war Fritz Rühs Mitinitiator des 1962 an der Bergakademie Freiberg im Einklang mit deren universitären Anspruch eingerichteten eigenständigen mathematischen Studiengangs. 1968 wurden im Zuge der 3.Hochschulreform in der damaligen DDR die beiden damals bestehenden Institute "Institut für Allgemeine Mathematik" und "Institut für Angewandte Mathematik" zur "Sektion Mathematik" vereinigt und in vier Wissenschaftsbereiche aufgegliedert. Der Lehrstuhl Analysis wurde als Wissenschaftsbereich "Analysis" von Fritz Rühs bis 1986 weiter geleitet.

Mit dem Ausscheiden von Rühs berief man 1986 Wolfgang Sprößig auf diesen Lehrstuhl und damit als Leiter des Wissenschaftsbereiches Analysis. Die Arbeitsgebiete von Wolfgang Sprößig sind mehrdimensionale Funktionentheorie, Quaternionen-Analysis, Clifford-Analysis sowie deren Anwendung auf Randwertaufgaben partieller Differentialgleichungen. 1992 erfolgte mit der Gründung der "Fakultät für Mathematik und Informatik" auch die Gründung des "Instituts für Angewandte Mathematik I". Direktor des Instituts wurde Lothar von Wolfersdorf, der dieses Amt bis 1996 bekleidete. Seine Arbeitsgebiete sind Randwertaufgaben, Kontrolltheorie, die Theorie inverser Aufgaben bei partiellen Differentialgleichungen, Integralgleichungen, sowie Spieltheorie und Optimierungsprobleme in Funktionenräumen. Seit 1996 ist Wolfgang Sprößig Direktor des Instituts, welches seit 2003 den Namen "Institut für Angewandte Analysis" trägt.

Historie der Fakultät für Mathematik und Informatik