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Das DER in FreibergDer Bedarf an Primärenergieträgern steigt weltweit. Erdöl und Erdgas haben begrenzte Reichweiten. Kohle ist nicht nur ein wichtiger Rohstoff für die Energieversorgung, vielmehr lassen sich fossile und biogene Rohstoffe auch zur umwelt- und klimaverträglichen Erzeugung von Roh- und Feinchemikalien und Chemierohstoffen nutzen. Die erneuerbaren Energien werden mittel- und langfristig so viel Strom bereitstellen, dass die Kohle kaum noch verstromt werden muss. Infolge der Ablösung der Kohle aus der Stromversorgung und der thermischen Verwertung werden nachhaltige Konzepte für die am Strommarkt frei werdende Kohle benötigt. Damit erfährt die Kohle einen deutlichen Wandel in ihrer Nutzung. Der Wandel wird sich von einer derzeit dominierenden energetischen Nutzung durch Verstromung zu einer Erzeugung von Chemierohstoffen durch eine neue CO2-arme Kohlechemie vollziehen.

Kohle sollte nach ihrer Ablösung in der Energieversorgung als alternative Kohlenstoffquelle zum knapper und teurer werdenden Öl verstanden und genutzt werden. Die chemische Industrie benötigt auch in Zukunft Kohlenstoff, welcher in Regionen mit begrenztem Biomassepotenzial nur fossil abgedeckt werden kann. Die Kohlechemie eröffnet die Chance den Kohlenstoff aus einheimischen Braunkohlevorkommen subventionsfrei zu gewinnen und so die einseitige Abhängigkeit von Öl- und Gasimporten zu überwinden. Dies gilt vor allem für deutsche Braunkohle, die eine besonders kostengünstige Kohlenstoffquelle für Chemierohstoffe darstellt und im Energiekonzept der Bundesregierung auf lange Sicht als Energieträger nicht mehr vorgesehen ist [1]. Durch die stoffliche Nutzung der frei werdenden Braunkohle wird außerdem eine Reduktion der CO2-Emission um etwa die Hälfte im Vergleich zur energetischen Kohlenutzung erreicht.

Das Potenzial, die stoffliche Nutzung von Kohle als Brückentechnologie zu etablieren, wird konkret in der Hightech-Strategie 2020 der Bundesregierung aufgegriffen [2]. Darin heißt es: „Kohlechemie als Brückentechnologie: Bis zur Substitution des Erdöls durch nachwachsende Rohstoffe sind innovative Verfahren für eine ökologisch verträgliche Nutzung heimischer Kohlevorkommen als Grundstoff für die chemische Industrie voranzutreiben.“ Auch die Rohstoffstrategie der Bundesregierung spricht von „einem schonenden Umgang mit fossilen Ressourcen (Stichwort: ‚Weg vom Öl‘)“ und der „Erweiterung der Rohstoffbasis“ durch die Nutzung fossiler Energierohstoffe für chemische Prozesse und die stoffliche Nutzung von CO2 [3]. Darüber hinaus wird im 6. Energieforschungsprogramm die Verwendung der Braunkohle als Chemierohstoff als ein Forschungsschwerpunkt definiert [4]. In einem Positionspapier stellten die Verbände DGMK und DECHEMA fest, dass ein neu zu gründendes „Kompetenzzentrum für Kohleforschung“ das existierende wissenschaftliche und technische Know-how im Bereich Kohlechemie sichern, ausbauen und weitergeben sollte.

Hier ergreift das Deutsche EnergieRohstoff-Zentrum (DER) die Initiative, um für unsere einheimischen fossilen und biogenen Energierohstoffe nachhaltige Rohstoffkonzepte und Technologien für das Nacherdölzeitalter zu entwickeln. Im DER erfolgt eine Bündelung nationaler Energierohstoff-Kompetenzen und führenden wissenschaftlichen Einrichtungen und Unternehmen im Themenfeld. Die Energierohstoffforschung im DER trägt damit maßgeblich zur nationalen Rohstoffversorgungssicherheit und zur Importunabhängigkeit von Erdöl und Erdgas bei. Darüber hinaus wird ein Beitrag geleistet, die Technologieführerschaft in Deutschland zu halten und neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das Zentrum ist Teil des Programms „Spitzenforschung und Innovation in den Neuen Ländern“ und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie vier Industriepartnern (Vattenfall Europe Mining & Generation, RWE Power, MIBRAG, ROMONTA) mit mehrstelligen Millionenbeträgen gefördert.

Quellen:

[1] BMWi, BMU: Energiekonzept für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung. 28. September 2010.

[2] BMBF: Hightech-Strategie 2020 für Deutschland. 2010

[3] BMWi: Rohstoffstrategie der Bundesregierung. Oktober 2010.

[4] Das 6. Energieforschungsprogramm der Bundesregierung - Forschung für eine umweltschonende, zuverlässige und bezahlbare Energieversorgung (2011)